Wenn ich an meine Oma denke, dann sehe ich eine alte Frau mit weißem Haar zu einem Dutt gedreht und ein Haarnetzdrauf. Gekleidet war sie mit einer Kittelschürze, war ja praktisch, konnte man die Hände abwischen, immer in der gleichen Farbe, grau. Ich erinnere mich aber auch daran, dass sie immer für mich Zeit hatte. Sie ist mit mir auf den Friedhof gegangen, da lag mein Opa, den ich nie kennengelernt hatte. aber sie erzählte mir von ihm und er gehörte dadurch zu meinem Leben. Wir sind in den Zoo gegangen, waren auf der Kleinmesse und die Kaffekränzchen in Omas Garten waren eine Wucht, denn alle erzählten Geschichten von früher, ich konnte nicht genug davon bekommen, es war spannend. Wenn ich traurig war, kochte sie mir Schokoladenpudding oder holte ihren Keramiktopf mit selbstgemachter Nussschokolade, und das in den 50-ern, wo es solch feine Sachen nur selten gab.
Nun bin ich selbst seit 22 Jahren Oma und denke darüber nach, wie unser Leben als Oma verläuft. Mein Enkelkind Nadine ist 22 Jahre alt und ich habe sie in all den Jahren nur selten gesehen, denn meine Tochter hat in den Westen geheiratet, während ich in der Finanzbranche Karriere gemacht hatte. Ich habe ihr keine Geschichten erzählt, denn ich hatte ja andere Dinge zu tun. Heute stelle ich fest, dass ich von meinem Enkelkind nicht viel weiss und das tut mir sehr weh. Ich würde gern die Zeit zurückdrehen, aber vielleicht habe ich die Chance dies alles bei meinem künftigen Urenkel alles nachzuholen.
Es ist heute nichts Besonderes, viele Frauen, die ich kenne haben einen Beruf, haben sich entwickelt und sind erfolgreich geworden. Wenn man sie auf der Strasse sieht, elegant, flott, gepflegt, dann kann man nicht glauben, dass diese Frauen schon Oma geworden sind.
Meine Mutter, 86 Jahre alt, hat mehr Termine als ich. Sie geht zur Nagelpflege, Fußpflege, jede Woche zum Friseur, hat ihren Rentnerclub und wenn sie aus dem Haus geht ist sie immer adrett, eine Frau, der man weder das Alter, noch das harte Leben, was sie hatte, ansieht. Ich finde das toll und sie ist mein Vorbild. Ich habe ihr viel zu verdanken.

